Sonderheft 2007 „Hundearzneien“

Lac caninum, Lac lupinum, Lyssinum & Co.

Fälle zu Lac caninum, Excrementum caninum, Lyssinum, Lac lupinum, Hundsrose und Wolfram
Ein ganzes Heft gewidmet nur den HundearzneienNun – es werden neben Lac caninum noch fünf weitere Arzneien präsentiert - aber und auch zu Lac caninum, hergestellt aus verschiedenen Hunderassen, gibt es sicherlich noch bisher Unbekanntes zu entdecken. Sie finden in dieser Ausgabe zahlreiche Beiträge zu:

- Lac caninum verschiedener Hunderassen
- Lac lupinum (Wolfsmilch)
- Lyssinum
- Excrementum caninum
- Rosa canina (Hundsrose)
- Wolfram (Tungstenium)

Lac caninum

Als Eröffnungsartikel zu Lac caninum fungiert ein 10-seitiger Beitrag des Freiburger Homöopathen Marco Riefer, der mit folgenden Worten beginnt: „Nach vielen Jahren homöopathischer Praxis schaue ich auf ca. 20 chronische und zahlreiche Akutfälle von Lac caninum, über die ich dieses wichtige Heilmittel immer besser kennen lernte. Sie hinterließen einen überdurchschnittlich prägnanten Eindruck, der eine Differenzierung und Abgrenzung zu ähnlichen Mitteln eher ‚leicht’ macht. Durch Fallbeispiele ergänzt, möchte ich im Folgenden das Wesen und die Charakteristik dieser Arznei deutlich machen. Die Fälle habe ich zu diesem Zweck auf die Grundstruktur der Lac-caninum-Thematik begrenzt gehalten und bewusst auf sehr detaillierte Fallanalysen zu Gunsten einer größeren Anzahl von Fallgeschichten verzichtet.“ Neben den schon erwähnten fünf Falldarstellungen, ergänzt durch die wichtigsten Repertoriumsrubriken der potenzierten Hundemilch, finden Sie auch generelle Informationen zum Hund und zu Milcharzneien. Keine Frage, ein runder Einstieg zu Lac caninum von einem Praktiker, der seit 1985 als Homöopath tätig ist.

Wie sich Lac caninum in den verschiedenen Generationen einer Familie zeigen kann, dokumentiert ein Beitrag der indischen Ärztin Nandita Shah mit der Behandlung eines zweijährigen Mädchens und seiner Mutter. Doch nicht nur die beiden, sondern auch die Großmutter des Kindes erhielt Lac caninum. Aufschlussreich ist bei diesen Kasuistiken wie der Lac-caninum-Zustand schon bei der Großmutter vorhanden war und sich in den beiden nächsten Generationen äußert. Bei dem Kind verschwand nach Verordnung der potenzierten Hundemilch die hartnäckige Obstipation, bei der Mutter das Asthma, die Erkältungsneigung und die Gemütsverfassung. Bei der Großmutter besserten sich der Schlaf und die Depressionen.

Insgesamt drei Fälle hat die Stammautorin Gertraude Kittler (Gütersloh) beigesteuert. Das Besondere an ihren drei Falldarstellungen zu Lac caninum ist, dass es sich um Verordnungen dreier verschiedener Hunderassen handelt. Im ersten Fall wurde die Milch eines Beagles, das aktuelle Präparat der DHU, verabreicht, in den folgenden Fällen die potenzierte Milch einer Rauhaardackelhündin und einer Labradorhündin. Wie die Behandlerin auf die Idee kam, Lac caninum zusätzlich in Bezug auf die Hunderasse zu differenzieren, erfahren Sie nachvollziehbar auf 21 Seiten.

Den Abschluss bildet eine kleine Übersicht, bei welchem Arzneimittelhersteller welche Hundemilch als Ursubstanz verwendet wird.



Von Lac caninum zu Lyssinum

Einen eleganten Übergang von Lac caninum zu Lyssinum vollzieht der Beitrag von Mike Keszler (Nähe München). Sein Lac-caninum-Fall beleuchtet noch einmal deutlich das Thema der Abhängigkeit bei der potenzierten Hundemilch. Ausführlicher wird dann auf die Lyssinum, potenzierter Speichel eines tollwütigen Hundes, eingegangen. Die erste Kasuistik gibt die Behandlung einer Frau wieder, die 20 Jahre in homöopathischer Behandlung gewesen ist, bis mit Lyssinum der erwünschte dauerhafte Durchbruch gelungen ist. Die Patientin litt unter einem Bluthochdruck von 180/110, bei Aufregung stieg dieser bis auf 220/120. Entzündliche Erkrankungen wie Bronchitiden, Anginen oder Nierenbeckenentzündungen liefen meist mit hohem Fieber und unter äußerst großen Schmerzen ab. Weitere Beschwerden waren starke Kopfschmerzen, extreme Atemnot ausgelöst durch Hundehaare, stark juckende, nässende Ekzeme, Speichelfluss, Gelenk- und Rückenschmerzen und wiederkehrende Unterleibsbeschwerden. Ihre Stimmungen waren extremen Schwankungen unterworfen. Meist wechselten sie zwischen Trauer und Wut oder traten gleichzeitig auf. Heftige Aggressionen richtete sie sowohl gegen ihre Umwelt wie auch gegen sich selbst. Weitere Informationen zur Kindheit der Patientin, ihrem Verhältnis zu ihren Eltern wie auch ihre Reaktion auf Lyssinum (bisher fünf Jahre nachbeobachtet) können Sie auf den Seiten 43 bis 45 nachlesen. Der zweite Lyssinum-Fall von Mike Keszler unterscheidet sich insofern vom ersten, als dass er eine Form der stillen Wut wiedergibt. Beschwerden der Patientin waren starke Unterleibsschmerzen, Haarausfall, Allergien und eine Schilddrüsenüberfunktion, die schulmedizinisch mit Carbomezol behandelt wurde.

Einen Lyssinum-Fall die schwäbische Homöopathin Carmen Post bei: eine Schülerin mit so starken schulischen Prüfungsängsten, dass sie seit einer Woche fast nichts mehr getrunken und gegessen hat. Eine Akutbehandlung, bei der aber Elemente aus der chronischen Ebene bei der Mittelfindung hilfreich waren.

Vielsagend der Titel – „Schwieriges Sozialverhalten, Außenseiter“ – der vierten Lyssinum-Kasuistik, wiedergegeben von Karl Nolden (Aachen). Ein 8-jähriger Junge in relativ schwierigen häuslichen Umständen. Er hat oft das Gefühl keine Freunde zu haben und kompensiert seine Unsicherheit mit aggressivem Verhalten. Lyssinum bestätigend waren bei ihm ungleich große Pupillen und seine Neigung zum Nägelbeißen.

Einen weiteren Lyssinum-Fall finden Sie in der Ausgabe 2/04.



Lac lupinum - Wolfsmilch


Was unterscheidet den Wolf von dem, auch homöopathisch, so gut bekannten Hund? Neben einem Begleitartikel, der sich dem Wolf aus zoologischer wie auch homöopathischer Sicht widmet und neben der Prüfung der Wolfsmilch die Erfahrungen diverser Homöopathen mit Lac lupinum wiedergibt, finden Sie zwei Kasuistiken zu Lac lupinum. Hauptbeweggründe der ersten Patientin für eine homöopathische Behandlung bei der Therapeutin Gyde Eichler waren ein Karpaltunnelsyndrom sowie ihre alljährlichen Winterdepressionen. Auffällig bei ihr das ausgeprägte Verantwortungsgefühl für Angehörige und Freunde. Selbst in ihren Träumen ist sie allein für die Familie zuständig und schützt diese dabei vor Wölfen, Verbrechern und Ungeheuern, die ins Haus einzudringen versuchen. Vor der Gabe von Lac lupinum wurden Arzneien wie Sep., Lac caninum, Hyper. und Naja vergeblich verordnet. Die komprimierte Wiedergabe der Follow-ups über einen Zeitraum von 20 Monaten dokumentiert die heilende Wirkung der potenzierten Wolfsmilch im Körperlichen (Vaginalpilz, Menstruationsschmerzen, Karpaltunnelsyndrom) wie auch im Emotionalen (winterliche Depressionen, gesundeDistanz zur Mutter).

„Emotionaler Aufruhr, steifer Nacken, Zähneknirschen“ – der Titel des zweiten Lac-lupinum-Falles erwähnt schon einige der Behandlungsgründe der zweiten Patientin. Wie die erste Patientin fühlte sie sich als Außenseiter und verantwortlich für die Sicherheit des Hauses und ihrer Familie (Autorin: Dr. med. Anita Ginter, Freiburg).



Excrementum caninum

Die Patientin der folgenden Kasuistik erhielt die Arznei Excrementum caninum aufgrund ihrer Autoimmunanämie (Autoimmunerkrankung). Ursprünglich kam sie nur in homöopathische Behandlung, um die Nebenwirkungen der Allopathika (Imurek (Azathioprin), Cortison) abzumildern. Mit am auffallendsten war eine fast schon extreme Oppositionsneigung: „Bei Ungerechtigkeiten muss ich einschreiten... Ich bin ständig in Opposition... Ich brauche ein Gegenüber, ich muss diskutieren... Eine meiner größten Aggressionen ist die Katholische Kirche. Die Institution, der Zwang, der Druck... Ich hasse Menschen, die keine Meinung haben.“ Doch welche Grundgefühle liegen dieser Haltung zugrunde? Vieles, was die Patientin erwähnte, erinnert an Lac caninum und an Lyssinum. An Lac caninum ihr Selbstbewusstsein („Mangelndes Selbstbewusstsein, schon ein bisschen schizophren... Mein Selbstbewusstsein liegt total im Keller.“) und ihr Selbstbild („Dann kommt man sich dreckig und beschmutzt vor... Ich habe auch selber wenige Bedürfnisse.“), an Lyssinum u.a. ihr Aggressionspotenzial („Bezüglich meiner Aggressionen muss ich wohl ein bisschen gleichgültiger werden... Ich habe bloß Hass auf den Kerl gehabt. Mir wäre fast die Hand ausgerutscht.“) und ihre Wahrnehmung von Prüfungssituationen, die sie als „Quälerei“ empfand. Nach der Verordnung von Excrementum caninum LM 12 setzte die Patientin innerhalb weniger Wochen stufenweise und eigenmächtig die Immunsuppressiva ab. Seitdem waren ihre Blutwerte wie auch der Augeninnendruck immer völlig im Normbereich (17 Monate Verlaufsbeobachtung), und anstatt von reißenden Flüssen mit dreckigem, trüben Wasser träumte sie von „unglaublich blauem Wasser. Es floss langsam dahin, wunderbar, himmlisch.“ (Autor: Thomas Schweser, Weilheim).


Rosa canina - Hundsrose

Rosa canina ist eine Arznei, die nicht nur dem Namen nach Ähnlichkeiten zu Lac caninum aufweist. Der vorliegende Fall von Monika Kittler dokumentiert die Behandlung einer Jugendlichen mit Neurodermitis. Eine weitere Kasuistik zu Rosa canina finden Sie in der Ausgabe 1/03.


Wolfram - Tungstenium

Ein Fall von Wolfram metallicum von Karl-Josef Müller bildet den Abschluss dieser Sonderausgabe. Wolfram ist sicherlich keine Hauptdifferenzialdiagnose zu Lac caninum und Lyssinum, wenn auch partiell einige Parallelen zu diesen beiden Arzneien bestehen. Zusätzlich wird eine Beschreibung der homöopathischen Schwerpunkte von Tungstenium aufgeführt.


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