Heft 1/11 - Rosengewächse

Rosaceae: Pflanzen der Liebe, leckere Früchte, herzstärkende Phytotherapeutika - und homöopathisch?

Homöopathie: Rosa canina, Laurocerasus, Prunus spinosa, Hydrocyanicum acidum ...
Es erwarten Sie Informationen zu den Rosaceae anhand 11 Beiträgen zu neun Arzneien:
- Rosa canina (Hundsrose, Hagebutte)
- Prunus spinosa (Schwarzdorn)
- Laurocerasus (Kirschlorbeer)
- Spiraea ulmaria (Mädesüß)
- Pyrus communis (Kultur-Birne)
- Malus communis (Wildapfel, Holzapfel)
- Hydrocyanicum acidum (Blausäure)
- Amygdala amara (Bittermandel)
- Cynosbatus (Rosengalle, Rosenschwamm)
- Allgemeine Themen einiger Rosengewächse
Rosengewächse und Blausäure

Zur Einstimmung finden Sie einige botanische Informationen zu den Rosenfamilien, gefolgt von den homöopathischen Themen und Schwerpunkten dieser Pflanzenfamilie. Da die Kerne der Steinobstfrüchte vieler Rosengewächse blausäurehaltig sind, finden Sie in dieser Ausgabe auch je eine Fallwiedergabe von Hydrocyanicum acidum und der Bittermandel Prunus amygdalus amara (Autor: Thomas Schweser).


Rosa canina - die Hundsrose (Heckenrose, Hagebutte)

Die Hundsrose Rosa canina ist gleich mit zwei Kasuistiken vertreten. Die Hauptbeschwerden der ersten Patientin (Behandler: Karl-Josef Müller) waren eine chronische Laryngitis mit Stimmverlust (in Verbindung mit „unheimlicher Prüfungsangst“) und Dysmenorrhö. Die zweite Patientin ersuchte homöopathische Hilfe wegen einer psoriatischen Arthritis, wegen der sie ein Immunsuppressiva nimmt. Während bei der Patientin des ersten Falles Rosa canina sich schon nach der ersten Gabe als „absolut durchschlagender Erfolg“ erwies, überrascht es nicht, dass in dem anderen Fall (Behandlerin: Vedrana Schreiner) die Heilung deutlich langsamer verlief. Dennoch: Immunsuppressiva und Schmerzmittel konnten abgesetzt werden, die Psoriasis sieht mittlerweile „viel besser aus“ und Rosa canina wirkte auch zuverlässig bei einem grippalen Infekt mit hohem Fieber, Gliederschmerzen und trockenem Husten. Ergänzt werden diese beiden Beiträge durch ein Kapitel mit zentralen Aspekten aus drei weiteren Rosa-canina-Kasuistiken.


Prunus spinosa (Schwarzdorn, Schlehendorn, Schlehe)

Obwohl Prunus spinosa in den großen Repertorien mit über 1500 Einträgen vertreten ist, wird der Schwarzdorn nur selten verordnet. Vielleicht kann der Fall einer Frau, die wegen arthritischer Schmerzen an Händen und Knien in Behandlung kam, den Bekanntheitsgrad von Prunus spinosa etwas erhöhen. Ihre stechenden Schmerzen, die sich in Ruhe verschlimmern, beschrieb die Patientin als „schlimme Stiche wie unter einer Nähmaschine.“ (Prunus spinosa ist übrigens eine wichtige Differenzialdiagnose zum weitaus bekannteren Rhus toxicodendron.) Den gesamten Fall von Karl-Josef Müller finden Sie auf den Seiten 17 bis 21.


Laurocerasus (Prunus laurocerasus, Kirschlorbeer)

Dysmenorrhö mit schockartigen Schmerzen“ lautet der Titel des Falles von Prunus laurocerasus, das in der Homöopathie meist nur als Laurocerasus bezeichnet wird. Die Schmerzzustände der Patientin gingen einher mit Verwachsungen des Uterus an der Bauchdecke. Die Fallaufnahme und -analyse wurde von der Behandlerin Sigrid Lindemann nach dem neuen Ansatz von Rajan Sankaran durchgeführt.


Spiraea ulmaria (Echtes Mädesüß)

Gleich zwei Falldokumentationen von Spiraea ulmaria stellen die Verordnungsgründe und das Heilungspotenzial des Echten Mädesüß dar. Die Hauptbeschwerden der älteren Frau waren Bluthochdruck, Gastritis, Ösophagitis und rheumatische Schmerzen, die der jungen Frau Gelenk- und Magenschmerzen sowie eine allergische Diathese. Zusätzlich gibt der behandelnde Arzt Dr. Giacomo Merialdo (Genua) ein kurz gefasstes Arzneimittelbild samt den wichtigsten klinischen Bestätigungen von Spirea ulmaria.


Pyrus communis (Kultur-Birne)

Die kultivierte Birne Pyrus communis ist jedem als wohlschmeckende Frucht wohlbekannt, doch wie sich diese als homöopathische Arznei präsentieren kann, zeigt sich anschaulich in dem Fall einer Frau mit ausgeprägtem PMS. Wegen körperlicher Beschwerden, die mit der Empfindung von Völle und des „Geschwollenseins“ auftraten, sowie einer reichlichen Menstruation wurde zuerst der Riesenbovist Bov. verordnet, das aber nur kurzzeitig entlastete. Dass ihr Gestautsein auch Entsprechungen im Emotionalen hat, belegen u.a. folgende Aussagen: „Ich habe so viel Gefühl in mir, auch Lust auf körperliche Nähe und Sex. ... Ich habe solche Lust auf Leben und Liebe! ... In der gesamten Situation habe ich das Gefühl, erbrechen zu können. ... Dann habe ich diese Beklemmungsgefühle, alles spannt sich und wird voll, ich könnte platzen … und das erzeugt dann das Druckgefühl.“ Wie der Behandler Christoph Schlüter (Weingarten) die Arznei Pyrus communis gefunden hat, die immerhin auch in über 500 Rubriken gelistet wird, finden Sie in dieser Ausgabe zu den Rosengewächsen.


Malus communis (Wildapfel, Holzapfel)

Von der Birne ist es nicht weit zum Apfel, und so finden Sie auch einen Fall des Wildapfels Malus communis. Malus communis ist ein Synonym für Malus sylvestris, auch Holzapfel genannt, und als Bach-Blüte Crab Apple bekannter als sein potenziertes Pendant. Die Hauptbeschwerden der Patientin waren Bluthochdruck, Mykosen und Hautausschläge, ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Sauberkeit und Hygiene sowie massive Schuldgefühle. Die ungewöhnliche gute Reaktion auf die Bach-Blüte Crab Apple, die die Patientin selbsttätig eingenommen hatte, ließ die Behandlerin Malus communis in Erwägung ziehen. (Es gab natürlich noch weitere Hinweise auf den potenzierten Wildapfel.) Die Therapeutin Monika Kittler schreibt abschließend: „Von da an ging es in jeder Hinsicht wieder bergauf: kaum noch Schuldgefühle, eine gute Beziehung zum Mann mit etwas mehr Sexualität, keine Scheideninfektionen und kein Fußpilz mehr. Nur die Blutdrucktablette wollte sie nicht weglassen, obwohl der Blutdruck manchmal schon zu niedrig war; so ließ sie sich auf eine halbe Tablette ein. Ansonsten ging es ihr in den folgenden fünf Jahren ausgesprochen gut. Die Arznei wurde nur ein Mal, als sie ein Implantat bekam, wiederholt.“


Hydrocyanicum acidum (Blausäure) und Prunus amygdalus amara (Bittermandel)

Entwicklungsstillstand, Fieberkrämpfe, geistige Abwesenheit ...“ - schon die Überschrift zeigt die Schwere der Störungen beider Kinder, die mit der Säure Hydrocyanicum acidum, und im zweiten Fall ergänzend mit der stark blausäurehaltigen Bittermandel Prunus amygdalus amara, behandelt wurden. Das erste Kind hat eine Kleinhirnhypotrophie, mit der Folge von Entwicklungsverzögerungen, Strabismus, reduzierter Schmerzwahrnehmung und Gleichgewichtsstörungen. Zu den beiden letztgenannten Störungen schreibt der Behandler: „Jetzt steht er bei mir und hält sich am kleinen runden Tisch fest, lässt dann los und sagt: ‚Guck! Guck!' Dann fällt er einfach um und knallt hin, er kann nicht frei stehen. Er weint nicht, er liegt einfach da! Eine sehr beeindruckende Demonstration!“ In solch einem Fall stellt sich natürlich nicht nur die Frage, welche Arznei zu verordnen ist, sondern auch, was an Besserung überhaupt möglich ist. Das Mädchen des zweiten Falles hatte Entwicklungsverzögerungen und bedenklich stimmende akute Störungen, die meisten waren erstmalig kurz nach einer Dreifachimpfung im 15. Monat aufgetreten: geistige Abwesenheit mit Meidung von Blickkontakten, Fieberkrämpfe mit opisthotonusartigen Kopfbewegungen und nach oben verdrehten Augen, Zittern und einem komatösem Zustand (drei Mal); des Weiteren nächtliche Angstschreie mit steifem Körper und Wachstumsstillstand. Auf Hydr-ac. C30 folgte eine starke Besserung, aber die C200 erbrachte keine weitere Heilreaktion. Erst nach der Gabe von Prunus amygdalus amara kam es zu weiteren deutlichen Besserungen. Die genauen Reaktionen der beiden Patienten finden Sie nachvollziehbar wiedergegeben auf neun Seiten (Therapeut: Gerhard Ruster).


Cynosbatus (Spongia cynosbati, Rosengalle, Rosenschwamm)

Der letzte Fall dokumentiert die Behandlung einer Frau, die wegen Condylomen, Analpolypen und einen PAP IVb in Behandlung kam. Nach der vergeblichen Verordnung von Arzneien wie Con., Staph., Lac-c. und Nit-ac. acidum erbrachte dann Cynosbatus den gewünschten ganzheitlichen Erfolg. Alle Hauterscheinungen verschwanden und der PAP verringerte sich auf II. Doch was ist Cynosbatus eigentlich? Es ist ein Gallapfel der Hundsrose, also eine Blattwucherung, die durch den Stich mit nachfolgender Eiablage der Gallwespe verursacht wird. Um den Schaden zu kompensieren, wuchert die Pflanze in übertriebenem Maße um die Verletzung, was zur Bildung der sog. Pflanzengalle führt. (Die in der Homöopathie bekannteste Gallapfelarznei ist übrigens Gallicum acidum.) Eine ungewöhnliche Arznei, bei deren Findung u.a. das AMB von Gallicum acidum, ein deutlicher Bezug zu Rosen sowie bestimmte bildhafte Aussagen der Patientin hilfreich waren (Behandlerin: Heike Dahl, Berlin).


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